Lehrer der Schule im Ostergrund tagten zur Flüchtlingsthematik

  • geschrieben von Susanne Reutter

Analphabeten, Schnelllerner, Verhaltensauffällige, Traumatisierte… Die Probleme, die die hohe Zahl an Flüchtlingen in den Schulen bereiten, sind zahlreich und vielseitig. Damit Flüchtlingskinder gut in den Schulalltag integriert und optimal gefördert werden können, fand das Kollegium der Schule im Ostergrund zu einer pädagogischen Tagung zusammen.

Die Basis für die anschließende Gruppenarbeit wurde durch informative Vorträge gelegt, denn die Lehrer hatten sich Fachleute aus verschiedenen Bereichen eingeladen.

Herr Andreas Schnücker, Flüchtlingsbeauftragter des Schwalm-Eder-Kreises, gab zunächst anhand aktueller Zahlen und vorsichtiger Prognosen einen Überblick über die momentane und eventuell zu erwartende Situation im Kreis. Er konnte auch zu Fragen nach Zuständigkeiten Auskunft erteilen.

Anschließend referierte Frau Simone Gläser, stellvertretende Schulleiterin am BerufsschulCampus Schwalmstadt, von ihren konzeptionellen Ideen bezüglich Umgang mit Flüchtlingskindern und deren Beschulung in speziellen Förderklassen, zum Beispiel den sogenannten InteA (Integration in Ausbildung). Dabei steht stets das Bemühen im Vordergrund, den Schülern zu einem Schulabschluss und in weiteren Schritten auch zu einer Berufsausbildung zu verhelfen. Für ältere Schüler, die in der Schule im Ostergrund keinen Abschluss erreichen können, ist die Aufnahme in eine sog. PuSch-Klasse (Praxis und Schule) möglich.

Frau Sandra Nolte, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit, betonte in ihrem Beitrag die vielen bürokratischen Hürden, die sich durch die Vielzahl der unterschiedlichen Zuständigkeiten und der rechtlich oft unsicheren Gemengelage ergeben. Oft reisen z.B. Jugendliche ein, deren Altersangaben auf ihren Papieren augenscheinlich nicht mit ihrem tatsächlichen Alter übereinstimmen; viele Maßnahmen sind aber eben gerade auf bestimmte Altersgruppen zugeschnitten.

Nach diesem informativen Input machte sich das Kollegium am Folgetag an die konzeptionelle Arbeit für die Schule im Ostergrund.

So wurde ein den neuen Bedingungen angepasstes Aufnahme- bzw. Anmeldeformular entwickelt. Viele Angaben sind für die Möglichkeiten der Weiterbeschulung wichtig und müssen daher eingearbeitet werden. Es wird in sechs Herkunftssprachen übersetzte Formulare geben.

Damit die Verständigung vom ersten Tag des Schulbesuchs an besser klappt, soll den ausländischen Schülern eine Begrüßungsmappe mit den wichtigsten Regeln in Bilder- und Herkunftssprache übergeben werden. Diese werden auch in der Schule großformatig aufgehängt.  

Mehrere Kollegen der Schule haben bereits eine Fortbildung in Deutsch als Zweitsprache absolviert und werden Schüler nicht-deutscher Herkunft je nach Leistungsstand in zwei Intensivklassen zunächst vorrangig in der deutschen Sprache unterrichten. Ganz individuell wird dann entschieden, wann ein Schüler für bestimmte Stunden oder auch ganz in die Regelklasse wechseln kann.

Hilfreich am Ende des Tages waren auch Dokumente, die mit Informationen zu amtlichen Zuständigkeiten im Krankheitsfall, für Zuschüsse für Schulmaterialien oder Mittagessen, ergänzt durch wichtige Telefonnummern von Orientierungshelfern und anderen Zuständigen erstellt werden konnten. 

„Viel Feinarbeit muss noch geleistet werden, aber wir konnten durch konstruktive Teamarbeit  ein gutes Stück vorankommen“, bilanzierte Schulleiter Jochen Helwig in seinem Schlusswort.